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Einführung in die Amazonistik

Willkommen auf meinem Blog! In diesem ersten Beitrag werde ich erst einmal erklären, wieso ich hier überhaupt schreibe und was das Ganze ist. Man kann ganz gut mit dem Namen anfangen, der mangelns Übersetzungsmöglichkeiten zwar auf Englisch da steht, wessen Bedeutung aber nichtsdestotrotz verstanden werden kann. "The Amazonianist", oder auch zu Deutsch "Der Amazonist" bezieht sich auf das, was ich im Grunde genommen bin. Der Begriff hat sich in der Vergangenheit teils als schwierig herausgestellt, beispielsweise auf einer Konferenz in Athen, bei der ich als Amazon-Mitarbeiter misidentifiziert wurde. Tatsächlich ist ja Athen und der Amazonas relativ weit auseinander, nicht nur geographisch sondern offensichtlich auch sinnlich. Der deutsche Terminus "Amazonist" ist ja relativ parallel zum Spanischen amazonista, während ich im Englischen eher amazonianist benutzen würde. Das ist im Endeffekt aber auch Geschmackssache — en. amazonist fließt meiner Meinung nach auch nicht sehr schön.

Wenn ein Amazonist jemand ist, der über den Amazonas forscht, dann ist die Amazonistik wohl das Forschungsgebiet der Amazonisten. Amazonianist ist daher auch einer der Titel dieser Seite, weil ich als Besitzer der Seite ja wie oben erörtert ein Solcher bin. Der Alternativtitel "The Amazonianists' Corner" ist eine ziemlich plumpe und unkreative Anspielung auf die etlichen Webseiten die nach dem Schema "The ____ Corner" benannt sind. Eventuell wäre "Der Amazonistenstammtisch" ja auch ganz nett — dann müsste ich noch ein paar Gäste einladen. Aber so oder so ist es ja auch nicht sehr selten, dass es für das selbe Ding mehrere Wörter gibt. Zwar sagt die Linguistik, es gebe keine wahren Synonyme, aber beispielsweise bei Amazonischen Ethnonymen, also Volksbezeichnungen, gibt es natürlich trotzdem viele Mehrfachentsprechungen. Darüber schreibe ich vielleicht auch mal.

Wieso habe ich überaupt hiermit angefangen? Ich denke eben ich habe schon einige Sachen die ich über meine Leidenschaft teilen will. Als Sprachwissenschaftler, genauer gesagt als Feldforscher, und noch genauer gesagt als Sprachwissenschaftler mit Fokus auf Sprachdokumentation im Amazonasgebiet, würde ich gerne meine wissenschaftliche Expertise (welche ich mehr oder weniger habe), sowie aber auch meine emotionale Verbindung zu den Sprachen und Kulturen dort, teilen. Zusätzlich brauchte ich noch eine gute Alternative, falls ich mal in einer Situation bin in der ich nicht wirklich arbeiten will, aber auch nicht wirklich nicht arbeiten will, und nicht weiß was ich machen soll. Einen Blog zu schreiben scheint mir dann als guten Mittelweg um einerseits mit den Inhalten sich auseinanderzusetzen, ohne direkt von eventuellen Fristen oder Ähnlichem gedrängt zu sein.

Und um was geht es hier dann? Im Allgemeinen wohl amazonische Sprachen und Kulturen. Natürlich weiß ich nicht alles über das Thema, und ich würde annehmen niemand tut es — obgleich einige Personen dem wohl erschreckend nahe kommen. Mein Forschungsschwerpunkt liegt im Nordwesten Amazoniens, genauer genommen dem kolombianischen Teil Nordwestamazoniens, und darin das Gebiet zwischen den Flüssen Caquetá (auch Japurá genannt) und Putumayo. Ich habe außerdem noch ein wenig zu den Sprachen des Vaupés-Flussgebiets im Norden geforscht, und ich bin teilweise auch in Projekten, die über den Nordwesten Amazoniens hinausgehen, involviert, aber mein Hauptgebiet liegt immer noch im obengenannten C-P-Flussgebiet. Falls Sie sich in Geographie auskennen, findet man den Putumayo relativ einfach als Grenzfluss zwischen Kolumbien und Peru, westlich vom Dreieck, in dem Leticia liegt. Man vergleiche Karte 1.

Karte 1. Das Caquetá-Putumayo-Gebiet. (Wojtylak 2020: 13)

Meine jetzige Arbeit handelt vom Andoke, einer Sprache über die ich  hier noch zu Genügen schreiben werde. Während die Karte das Andoke bei dem Dorf Araracuara verortet,  findet meine eigene Feldforschung aus Sicherheitsgründen nicht dort statt. Tatsächlich ist es im bereits genannten Dreieck, in dessen unteren rechten Ecke, die Stadt Leticia. Dort findet meine Arbeit statt. Bisher war ich übrigens auch in Puerto Nariño, welches nordwestlich und ungefähr drei Bootsstunden entfernt von Leticia liegt.

Leticia ist sehr sicher, und sehr groß. Zusammen mit der brasilianischen Schwesterstadt Tabatinga umfasst es ein wenig über 100'000 Einwohner. Viele Indigene sind aus ihren ursprünglichen Gemeinschaften nach Leticia gekommen, und genau mit diesen Diasporagemeinschaften arbeite ich zusammen.

Falls Sie mehr über die verschiedenen Aufschriften auf dieser Karte erfahren wollen, warten Sie auf den nächsten Beitrag, in dem ich voraussichtlich ein paar Grundlagen vorstellen werde, sodass wir alle auf dem selben Stand sind. Ich habe auch eine akademische Website, falls daran Interesse besteht.

Bis zum nächsten Mal!

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